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Vía Verde del Val de Zafán: Arnes/Lledó - Alcañiz - La Puebla de Híjar (80 km)

 
 

Allgemeines zur Strecke:

Die Vía Verde del Val de Zafán ist die direkte Fortsetzung der Vías Verdes del Baix Ebre und Terra Alta.Die 80 Kilometer lange Strecke beginnt lückenlos am alten Bahnhof von Arnes-Lledó im Grenzgebiet von Katalonien und Aragonien und führt über 35,6 km bis zu dem kleinen Ort Valdealgorfa. Dort endet offizell der Ausbau des Abschnitts “Matarraña” (Stand 2019). Die Weiterfahrt auf der alten Bahntrasse nach Alcañiz ist kein großes Problem (14,5 km), allerdings weder beschildert noch asphaltiert. Es ist mit motorisiertem Verkehr der Anwohner und  mit landwirtschaftlichem Verkehr zu rechnen, wir haben bei unserer Befahrung kaum motorisierte Fahrzeige getroffen. Die Fahrbahn ist recht ruppig und staubig, es gibt keine touristische Infrastruktur am Weg. Übernachtungsmöglichkeiten findet man in der Stadt Alcañiz, in der alten Burg der Calatraver hoch über der Stadt befindet sich ein Hotel der Parador-Gruppe (ehemals Parador Nacional).

Von Alcañiz  aus sind es ca. 15 km zum offiziellen Beginn des nächsten Abschnitts durch das Gebiet Bajo Martín (Bajo Aragón), benannt nach dem Fluss, einem Nebenfluss des Ebro. Die Strecke ist vernachlässigt, teils ein ausgefahrener Weg, teils steinig und ruppig, aber immer auf der Bahntrasse, durch Einschnitte und über Brücken.

An einer Wegkreuzung nordwestlich des Bahnhof Puigmoreno beginnt wieder ein ausgebauter Abschnitt. Neu ist vor allem die Wegweisung und einige Infotafeln, teilweise aber 2019 bereit wieder zerstört durch Traktoren, Vandalismus, oder auch den Zahn der Zeit! Die Fahrbahn ist nicht wesentlich anders als im vorigen Abschnitt und besteht aus Sand, Kies und groben Steinen. Die wassergebundene Bearbeitung ist wohl bereits wieder abgespült oder vom Winde verweht.

Man durchquert eine steinige, landwirschaftlich genutze Ebene mit endlosen Getreidefeldern, die oft kerzengerade Strecke reicht bis zum Horizont. Gegenwind bedeutet für die Radler ein nur zähes Vorankommen! Die Ruinen der alten Bahnstreckenhäuser tauchen immer mal am Wegrand auf, einige kleine Brückenbauwerke überqueren die trockenen Barrancos, die wie Narben die Landschaft zerfurchen. Am westlichen Horizont erscheint in der Ferne die Silhuette des Braunkohlekraftwerks" Central Térmica de Andorra" mit seinen Schornsteinen, man überquert die Bahnstrecken der Zubringer und der Bahnstrecke Zaragoza - Barcelona.

Neun Kilometer vor dem nächsten Ort, Samper de Calanda (ca. 800 Einw.), beginnt eine unwirkliche Landschaft: tiefe Einschnitte in das weiche, roten Gestein, bizarre Formen durch Erosion und eine Fahrbahn mit grünem Grasbewuchs. Der Ort Samper de Calanda, nicht mit dem Ort Calanda zu verwechseln, liegt am Río Martin und an der Route der Trommler (Ruta del tambor y el bombo). Es gehört zu den 9 Orten, die in der Karwoche vor großem Publikum mit Trommeln und Pauken die Grablegung Christi erinnern.

Vorbei an der Ruine des Bahnhofs Huerta de Calanda überquert man den Fluss Martín, bevor die Strecke wieder in tiefe Einschnitte eintaucht. Ein ca. 400 m langer, unbeuchteter Tunnel tut sich auf am Ende der Schlucht. Am nördlichen Portal bietet sich ein fantastischer Anblick: Das zweistöckige Aquädukt La Torica,  das den Kanal Acequia de Gaén über den tiefen Einschnitt der Bahntrasse führt, erhebt sich direkt vor dem Besucher.

Nur 4 km weiter, am Bahnhof La Puebla de Híjar, endet die Via Verde. Das Gebäude scheint verlassen, Fahrkarten gibt es am Automaten. Es gibt keine touristischen Einrichtungen. Hier halten vier mal am Tag die Züge mittlerer Distanzen der Strecke nach Zaragoza. oder Barcelona

Bewertung:

Die Vía Verde del Val de Zafán ermöglicht es dem Radler, abseits der Straßen und ohne nennenswerte Steigungen vom Rande des Mittelmeers in das dünn besiedelte Inland Süd-Kataloniens und Aragoniens zu gelangen. Die gesamte Strecke von Tortosa nach La Puebla de Híjar  ist durchgängig auf der ehemaligen Bahnstrecke zu befahren. Die drei Radwege (Baix Ebre, Terra Alta und Val de Zafán) haben eine Gesamtlänge von 130 km.
Abseits der größeren Orte gibt es keine touristische Infrastuktur, für Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten sollte man rechtzeitig vor Fahrtantritt sorgen. Bedenken sollte man auch die klimatischen Bedingungen, die von der Mittelmeerküste hinauf ins Bergland erhebliche Unterschiede aufweisen!

Verfahren kann man sich kaum, auch wenn die Wegweisung nicht immer dem Standard entspricht oder ganz fehlt. Der Zustand des Radwegausbaus schwankt stark, mit vernachlässigten oder beschädigten Abschnitten muss man rechnen. Die vielen Tunnel der Gesamtstrecke sind oft nicht beleuchtet, entweder weil die Beleuchtung durch Vandalismus oder Diebstahl defekt ist, oder weil noch gar keine Beleuchtung installiert wurde. Eine ausreichende Beleuchtung am Fahrrad ist also unbedingt erforderlich. Achtung auch auf Autos oder Traktoren auf den  Abschnitten, die auch für den regionalen Verkehr freigegeben sind ("Tramos compartidos con automóviles").

Wer sich dennoch auf das Abenteuer einlässt, wird mit großartigen Ausblicken und Eindrücken belohnt. Tunnel Brücken, Gebäude und manchmal auch Fahrzeuge zeugen von einer längst vergangenen Epoche. Unter großem Aufwand geschaffen, wurden sie dennoch von der Zeit überholt und nun dem Zerfall anheim gegeben. Sie sind Denkmäler einer vergangenen Industriekultur, die das Leben damals erheblich veränderte.

Geschichte und Hintergründe:

Die Geschichte der Bahnlinie des Val de Zafán datiert zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhundert. Geplant war eine Bahnlinie von La Puebla de Hijar ca. 30 km nordwestlich von Alcañiz bis zum Hafen von Sant Carles de la Ràpita am südlichen Rand des Ebrodeltas. Die Arbeiten begannen 1882. Zunächst wurde der Abschnitt von La Puebla bis Alcañiz gebaut (1887), die Verlängerung bis Tortosa wurde erst 1942 fertig. Der Abschnitt Tortosa - Sant Carles de la Ràpita wurde nie ganz fertig gestellt.

Der bauliche Aufwand der 130 km langen Strecke war enorm, besonders die Abschnitte zwischen Arnes/Lledó und Tortosa sind geprägt von zahlreichen Tunneln und großen Viadukten. Das längste Bauwerk ist der Túnel de Valdealgorfa: 2136 m lang (lang!) und kerzengerade (Leider seit Anfang 2009 vorerst nicht mehr befahrbar).

Zweimal im Jahr, Ende März und Ende September, ist ein imposantes Schauspiel zu beobachten, bei dem die aufgehende Sonne den kerzengeraden Tunnel von Valdealgorfa  vollständig ausleuchtet. Daher stammt auch die Bezeichnung "Tunél de Equinoccio" - Tunnel der Tagundnachtgleiche.
Geografisch ist die Lage am Nullmeridian von Greenwich bemerkenswert.

Das dunkle Kapitel des Spanischen Bürgerkriegs war der Anlass für das Aufblühen der Bahnstrecke, die als wichtige Verbindung vor allem in der Phase der Schlacht am Ebro eine traurige Rolle spielte. Danach begann der unaufhaltsame Niedergang der Bahnstrecke. Das Ende des Bahnverkehrs kam 31 Jahre später, als die Verschüttung eines Tunnels im Jahre 1971 Anlass für die Einstellung des Bahnverkehrs wurde (1973) .

Streckenverlauf:

Die Bahnhöfe waren: Arnes/Lledo - Cretas - Valderrobres -Torre del Compte - Valdeltormo - Valjunquera -  Valdealgorfa - Alcañiz - Puigmoreno - Samper  (Huerta) de Calanda - La Puebla de Hijar

 

Übersichtskarte von Arnes/Ledó bis Alcañiz:

Hinweis: Auf dem kleinen Höhenprofil links oben einen Abschnitt mit der Maus markieren, dadurch wird dieser Abschnitt des Tracks auf der Karte angezeigt.

Hinweis: Auf dem kleinen Höhenprofil links oben einen Abschnitt mit der Maus markieren, dadurch wird dieser Abschnitt des Tracks auf der Karte angezeigt.

Höhenprofil:

 

[ProfilTerraZafan.png]

Höhenprofil des Radwegs (Baix Ebre, Terra Alta und Val de Zafán) von Tortosa bis Alcañiz

Gesamte Strecke mit Google™ Earth ansehen und Trackdownload

[Googlebild.jpg]

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Beginn der Strecke am alten Bahnhof  Arnes/Lledó.

 

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Der Radweg führt über das Viadukt über den Río Matarraña.

Bilddokumentation der Strecke auf den folgenden Seiten:

 



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