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Via Verde de los Molinos del Agua (34,9 km)

 

                                                                                                                                                                          Befahrung 09/2018

Im Südwesten Spaniens, nicht weit von der Großstadt Huelva entfernt, beginnt ein Radweg auf einer alten Bahnstrecke, die vor allem der Erschließung der reichen Erzvorkommen der Region diente. Die Hafenstadt Huelva im Mündungsgebiet des Río Odiel und des Rio Tinto hatte wegen ihres Zugangs zum Atlantik eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die reichen Minen des Hinterlands wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem von den Engländern ausgebeutet. Für den Transport des Erzes wurden die Bahnstrecken gebaut, die heute als Vías Verdes den Radlern zur Verfügung stehen.

Mit dem Niedergang des Erzabbaus verließen die Britischen Unternehmen die Region. zurück blieb im Hinterland eine ausgebeutete und zerstörte Umwelt, deren Besichtigung für den Besucher unverzichtbar ist: Mit der touristischen Bummelbahn durchquert man das riesige Abbaugebiet der "Minas de Río Tinto", ein gigantischer Schrottplatz mit alten, rostigen Lokomotiven, Abraumhalden in unglaublichen Farbschattierungen und einem Fluss, dessen Wasser von tiefroter Farbe eine eigenartige Stimmung bewirkt. Dieser Teil der Tagebauminen ist längst verlassen, in einem anderen Bereich (Cerro Colorado = farbiger Hügel)  wird der Kupferabbau mit moderner Technik seit 2016 weiter betrieben.

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ehemaliges Tagebaugebiet der Minen am Rio Tinto

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Tagebau am Cerro Colorado

Huelva (ca. 145.000 Einwohner) ist bei Touristen nicht sehr begehrt, denn es fehlen die historischen Sehenswürdigkeiten, da die Stadt im Jahre 1755 durch das "Erdbeben von Lissabon" fast völlig zerstört wurde. Wir fanden allerdings bei unserm Besuch im Spätsommer 2018 eine lebendige südspanische Stadt mit dem sehenswerten zentralen Platz "Plaza de las Monjas"  und den Terrassen der Bars und Restaurants. Direkt an den Platz grenzt das Zentrum mit Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten. Die Arbeitslosigkeit in der Region Huelva ist wie in ganz Andalusien hoch, und die Anbindung in die Hauptstadt Madrid per Eisenbahn ist ausgedünnt. Im Delta der Flüsse Río Tinto und Río Odiel befinden sich die Fabriken der Petrochemie, die früher für Aufschwung und Wohlstand in der Region sorgten.

Vía Verdes: :
Auf den verlassenen Trassen der alten Transportwege des Erzes sind in der Region Huelva drei Radwege entstanden. Sie folgen den Flussläufen des Rio Odiel, des Rio Tinto und der alten Bahnlinie, genannt Ferrocarril del Buitrón (ab 1868),  die den Ort San Juan del Puerto bei Huelva mit der Mina Concepción etwa 70 Kilometer landeinwärts verband.

Der ausgebaute Radweg trägt den Namen Via Verde de Los Molinos del Agua und führt über knapp 35 km nach Valverde del Camino, wo er sich als (noch nicht ausgebaute Strecke) als Vía Verde de Ríotinto weitere 35 km fortsetzt. Den Namen Molinos del Agua erhielt der Radweg, weil er durch das Tal des Baches Arroyo Renegoso führt, der einst die Turbinen mehrerer aufeinander folgender Getreidemühlen antrieb.

Die Strecke:
Der Radweg beginnt an einem staubigen Rastplatz nördlich der Autobahn A-49, etwa 500 m vom nördlichen Ortsende von San Juan del Puerto und ca. 15 km nordöstlich von Huelva entfernt. Wer sich von dem ungepfegten Ambiente nicht abschrecken lässt, hat eine Fahrt durch die flache Hügellandschaft des Andévalo vor sich. Der Radweg nutzt in seinem gesamten Verlauf die alte Bahntrasse, so dass keine heftigen Steigungen zu befürchten sind. Verpflegung findet man in den Ortschaften, sicherer ist es, selbst ausreichend Proviant und Flüssigkeit mitzunehmen. Die Qualität des Radwegs schwankt stark: Es gibt reichlich vernachlässigte Abschnitte, auf denen umsichtige Fahrweise geboten ist, teilweise ist der Asphalt stark beschädigt, teilweise ibesteht die Fahrbah aus verfestigter Erde und grobem Splitt. Mit Schlaglöchern und Hindernissen auf der Fahrbahn muss man rechnen. Die Beschilderung ist ausreichend, teilweise auch beschädigt oder nicht mehr lesbar, aber der Weg auf der Trasse ist kaum zu verfehlen. Die Kilometrierung ist unvollständig, aber man kann sich nach den Bahnkilometern gut orientieren.

Nach dem Start in San Juan del Puerto. Bald nach dem Ort Trigueros (7 km) geht die vom Getreideanbau geprägte Landschaft in eine von Pinien, Korkeichen und Eukalyptusbäumen bewachsene Hügellandschaft über. Der ehemalige Bahnhof von Beas (abgerissen) lag ca.3 km östlich des Ortes. Mehrere Bäche in dieser Region, die offensichtlich früher reichlich Wasser führten, trieben die kleinen Mühlen an, die dem Radweg seinen Namen gaben. Die restaurierten kleinen Gebäude sind entlang der Ruta de los Molinos (Wanderweg) zu finden.

Der Radweg steigt nun etwas an und durchquert ein Waldgebiet mit Pinien und Eukalyptusbäumen. Auch Zistrosenbüsche, die ihren charkteristischen Duft verströmen, findet man reichlich am Rande des Weges. Bei Fuente de la Corcha (Kilometer 20) gibt es einen kleinen Rastplatz. An alten Korkeichen vorbei geht es weiter bergauf. Bei KIlometer 27 der ehemaligen Bahnstrecke (Venta del Cuervo) befand sich ein Bahnhof, dort überquert der Radweg die N-435 auf einem eisernen Steg. Nur noch 7 KIlometer auf der asphaltierten Trasse fährt man parallel zur Nationalstraße nach Valverde del Camino. Hier findet man Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeit.

Am nördlichen Ortsende, am Hang jenseits des restaurirten Bahnhofs, steht die Villa des Direktors der Alkali United Company, genannt Casa Dirección, erbaut im Jahr 1912 im englischen Baustil. Sie beherbergt heute das Museo Etnografico, eine Bibliothek und dient als kulturelles "Multifunktionszentrum" mit Cafeteria. In dem hübschen Garten steht zur Erinnerung eine alte Lok.

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Die ehemaligen Stationen der Bahnstrecke:

San Juan del Puerto (km 0) -  Trigueros (km 9) - Beas (km15) - Pallarés (km 22, Haltepunkt - Venta del Cuervo (km 27, Abzweig nach Sotiel Coronada) - Valverde del Camino (km 36, Ende des heutigen Radwegs) - (48 Pozuelo (km 48, Abzweig zur Mina de Polancos) - Membrillos Altos (km 51) - 57 Zalamea La Real (km 57, Abzweig nach El Empalme).

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Am Rio Tinto

 
   

Hinweis: Auf dem kleinen Höhenprofil links oben einen Abschnitt mit der Maus markieren, dadurch wird dieser Abschnitt des Tracks auf der Karte angezeigt.

 

Trackdownload (gpx):

 
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Verbranntes Land: Trostlos wirkt der Rastplatz jenseits der Autobahn A-49 bei San Juan del Puerto, dem Startpunkt der Via Verde de los Molinos del Agua.

 

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Für die Zufahrt vom Ort hat man zwei Durchlässe geschaffen (Blick zurück). Der Weg macht einen vernachlässigten Eindruck, eine kleine hölzerne Lok verziert den Startpunkt.

 

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Hier ist die Kilometrierung noch in Ordnung. Die Trasse wurde zur Hälfte mit Asphalt befestigt, der Rest besteht aus fester Erde und Splitt

 

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Streckeweise hat die Fahrbahn stark gelitten! In Trigueros ist auch der Pflegezustand mangelhaft und die Fahrbahn eingeengt.

 

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Eigentlich eine schöne Ortsdurchfahrt, wenn die Fahrbahn besser wäre. Wegweiser gibt es hier nicht, dafür wird eine Verbesserung des Weges versprochen - bis dahin vorsichtig fahren!

 

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Wir lassen uns nicht abschrecken! Die Strecke führt durch die Getreidefelder Richtung Bergland. Reste der Kilometrierung, nicht mehr lesbar.

 

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Durch die Olivenplantagen und die südländische Vegetation folgt man der alten Bahnstrecke.

 

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Die Vegetation wird dichter, die Landschaft grüner.

 

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Korkeichen und Pinien spenden etwas Schatten in der Mittagshitze.

 

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Schon fast ein grüner Tunnel, die Nähe der Wasserläufe ist unübersehbar.

 
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Auch die neuen Wegweiser erfreuen uns sehr! 11,2 Kilometer liegen hinter uns, noch 21,8 km zum Ziel. Aber Vorsicht, es lauern Gefahren: ein verrosteter, umgeklappter Pfosten und eine stark ausgewaschene Fahrbahn!

 

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Rastplatz am abgerissenen Bahnhof Beas und Abzweig in den ca. 3 km entfernten Ort. In dieser Region befinden sich die kleinen alten Getreidemühlen, deren Turbinen vom Wasser des Arroyo Renegoso angetrieben wurden: Molinos del Agua.

 

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Weiter den Wegweisen nach, die sporadisch auftauchen. Die Trasse steigt nun merklich an.

 

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Der Kilometerstein 13 steht zwischen den Zistrosensträuchern. Dann wird auch die Fahrbahn besser, auf glattem Asphalt roll es sich gut.

 

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Überhaupt - ein schöner Abschnitt des Radwegs! Auch die Wegweiser sind neu.

 

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Es geht immer noch aufwärts - hier durch einen Einschnitt, gesäumt von Eukalyptusbäumen.

 

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Vorbei am Rastplatz Fuente de la Corcha, dann wieder aufwärts durch einen langen Einschnitt.

 

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Alte Korkeichen in bizzarren Formen wachsen aus dem roten Lehmboden.

 

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Es fährt sich angenehm auf Asphalt, aber wieder lauern Gefahren für den Radler, in Form von Klappsperren und deren Reste.

 

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Dann erreicht man das Gebiet des ehemaligen Bahnhofs Venta del Cuervo (km 27). Hier steht heute eine Tankstelle.  Über einen eisernen Steg geht es auf die andere Seite der Nationalstraße N-435

 

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Vorbei am Wohngebiet, der Radweg verläuft nun im Abstand parallel zur N-453.

 

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Valverde ist nicht mehr weit, eine Brücke kreuzt die Trasse.

 

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Kilometer 33, eine grüne Lok begrüß die Radler. Die Fahrrad-Allee führt in den Ort.

 

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An dem kleinen Häuschen (Schrankenwärter?) endet der Ausbau der Trasse.Weiter geradeaus durch den Ort taucht ein Wasserbehälter auf.

 

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Abgeschlossen hinter einem Zaun liegt der ehemalige Bahnhof von Valverde del Camino.

Aber die alte Bahnstrecke ist hier nicht zu Ende. Sie führt weiter in Richtung auf die Berge zu den riesigen Tagebauanlagen am Río Tinto. Diese Strecke ist nur teilweise ausgebaut. Aber man kann der Trasse noch einige Kilometer folgen. Wie es danach weitergeht, wird eine zukünftige Erkundung zeigen, denn der Weiterbau ist (09/2018) bereits im Gang:  Vía Verde del Riotinto, weitere 35 km könnten einmal entstehen.

 

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Die alten Eisenbahnen entlang des "Roten Flusses" rosten vor sich hin, aber das Bähnchen des Ferrocarril Turistico Minero durchquert regelmäßig die großen Abraumhalden einer vergangenen Epoche und bieten den Besuchern eindrucksvolle Bilder einer ausgebeuteten Landschaft.

 
   

 



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