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Bahnradweg Rotkäppchenland: Bad Hersfeld - Niederaula - Schwalmstadt-Treysa (63 km)

Allgemeines zum Radweg:

Auf der Trasse der stillgelegten Knüllwaldbahn zwischen Bad Hersfeld (Fulda) und Treysa (Schwalm) ist in den vergangenen Jahren ein erstklassiger Fahrradweg entstanden. Der neu ausgebaute Abschnitt zwischen Wahlshausen und Treysa verläuft fast vollständig auf der ehemaligen Bahnstrecke und ermöglicht eine stressfreie Verbindung mit dem Fahrrad zwischen dem Fuldatal und dem Westhessischen Tiefland an der Schwalm. Der Name „Bahnradweg Rotkäppchenland“ leitet sich von der Schwälmer Tracht mit ihren roten Häubchen ab, die an das Märchen vom Rotkäppchen erinnern. Die Gesamtlänge des Radwegs von Bad Hersfeld nach Treysa beträgt 63 km, davon verlaufen 34 km direkt auf der alten Bahntrasse.

Bei der Überwindung des Höhenzuges mit etwa 220 m Höhenunterschied hatte man bei dieser Bahnstrecke nicht die „Tunnellösung“ gewählt, sondern eine Trassierung mit weiten Höhenschleifen über die Ausläufer des Knüllgebirges. Weite Blicke über die Berglandschaft und einsame Wälder sind das Kapital dieses Radwegs, bei dessen Gestaltung man sich viel Mühe gegeben hat. Hindernisfreie Straßenkreuzungen, Rastplätze und Bahnrelikte zur Erinnerung an die Eisenbahnzeit sind einige Details, die diese Fahrradstrecke zu einem Erlebnis machen. Anfangs- und Endpunkt sind mit der Regionalbahn erreichbar und es gibt Anbindungen an die hessischen Radfernwege.

 

Steckbrief:

Start: Bahnhof Bad Hersfeld [ 50° 52.194'N – 9° 42.966'E]

Ziel: Bahnhof Treysa [ 50° 54.648'N – 9° 11.110'] ( Anschlussradweg nach Neustadt geplant)

Länge: 63 km (davon 34,2 km/ 54,3 % auf der ehemaligen Bahntrasse)

Charakteristik/Eignung: Vollständig asphaltiert oder Betonfahrbahn (R1). Geringe Steigung, weitestgehend verkehrsfrei, familiengeeignet.

Höhenprofil: Flache Kuppe, Startpunkt 202 m ü. NN, Scheitelpunkt 420 m ü. NN, Zielpunkt 230 m ü. NN

Wegweisung: Normgerechte Beschilderung geplant, Verlegung der D4-Route (Mittellandroute) auf die Trasse, Mini-Ortsschilder an der Radstrecke, Infotafeln mit roten Käppchen auf den Pfosten.

Anschlussradwege: Hess. Radfernweg R1 (Hersfeld, Niederaula) Hess. Radfernweg R4 (Loshausen), D4 Route, Schwalm-Radweg, Hess. Radfernweg R7

Anreise - Bhf: Bad Hersfeld und Treysa, Hünfeld, Bad Salzschlirf, Fulda

Parkplätze: Bhf. Bad Hersfeld (Südseite), Kirchheim, Ottrau ehem. Bhf., Nausis ehem. Bhf, Ziegenhain, Neukirchen-Riebelsdorf ehem. Bhf., Festplatz Neukirchen (Birkenalle), Treysa "Hasehügel" (Nähe Bahnhof).

Einkehr: Kulturbahnhof Ziegenhain-Süd, ehem. Parkrestaurant "Zum hungrigen Wolf" Neukirchen

Bahnrelikte: Tafeln, Kilometersteine und Signale an den Rastplätzen

Besonderheiten: Barrierefreie Kreuzungen, Radweg nahezu vollständig auf der alten Bahntrasse. "Miniatur-Ortsschilder".

Sehenswürdigkeiten: Altstadt Treysa (Ruine der Totenkirche, Marktplatz, Rathaus, Hexenturm), Ziegenhain (Wasserfestung, Museum der Schwalm), Neukirchen (Märchenhaus, Nikolaikirche, Heimatmuseum), Ottrau-Görzhain (Mühlenmuseum Steinmühle)

Die Strecke mit Google Earth ansehen (Google Earth muss installiert sein) und GPX-Trackdownload:

Bitte zum Ansehen anklicken bzw. GPX-Track zum Downloaden rechts klicken und "Ziel speichern unter..." auswählen.

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Stationen:

Bad Hersfeld - Asbach - Niederaula - Kirchheim - Heddersdorf - Frielingen - Gersdorf - Wahlshausen - Oberaula - Hausen - Weissenborn - Görzhain - Ottrau - Nausis - Neukirchen - Riebelsdorf - Zella - Loshausen - Ziegenhain - Treysa

Die Strecke

Als Ausgangspunkt für die Fahrt auf der stillgelegten Knüllwaldbahn aus dem Fuldatal in die Schwalm eignet sich am besten die Stadt Bad Hersfeld, die sowohl an die regionalen Bahnlinien als auch an das Radwegenetz angeschlossen ist. Die Anfahrt zum Bahnradweg Rotkäppchenland ist auch von weiteren Bahnhöfen möglich: Fulda (über R1, 38 km), Bad Salzschlirf (Vulkanradweg, R7, 27 km) und Hünfeld (32 km). Mit dem Hessischen Radfernweg R1 (Fuldatal) und R7 (Domtour), dem Bahnradweg Hessen mit dem Solztalradweg, der D9 Route und dem Haunetalradweg ergeben sich diverse Möglichkeiten zur Einbindung in eine längere Radtour durch das Hessische Bergland.

Der neue Radweg ist Teil des Europaradwegs D4 ( Mittellandroute). Mitte 2013 waren zwar schon Informationstafeln zum Radweg an den Rastplätzen aufgestellt, aber die endgültige normgerechte Beschilderung fehlte noch.

Von Bad Hersfeld aus folgt man dem R1 in südlicher Richtung, vorbei an Schloss Eichhof (Staatl. Versuchsgut) bis nach Asbach. Dort beginnt ein betonierter, später asphaltierter Radweg entlang der alten Bahnstrecke zwischen Bad Hersfeld und Niederjossa (nur noch Güterverkehr). Nach 13 km ist der Abzweig ins Aulatal bei Niederaula erreicht (Hess. Radweg R11).

An der Ziegelei in Niederaula verlässt der Radweg das Fuldatal und folgt in nordwestlicher Richtung der stillgelegten Bahntrasse, die hier noch gut zu erkennen ist. Bis nach Wahlshausen verläuft der Radweg nicht auf der Trasse. Neben der Bundesstraße 454 ,später auch in einigem Abstand, folgt der asphaltierte Radweg dem Flüsschen Aula talaufwärts. Kirchheim ist ein wichtiger Autobahnknoten, und man fährt an Tankstellen und Fastfoodrestaurants vorbei. Danach erreicht man wieder ruhigeres Gelände.

Nach der Ortsdurchfahrt Kirchheim folgt der Radweg zunächst der Bundesstraße, biegt aber schon bald ab in die Felder und Wiesen. Die verlassene Bahnstrecke begleitet die Fahrt in einiger Entfernung, und auch wenn der Radweg nicht auf der Trasse verläuft, spürt man kaum eine Steigung. In Wahlshausen erreicht man den neuen Radweg auf der Bahntrasse. Eine kurze Anfahrt durch den Ort bis zur Brücke über die Gräsbachstraße, dann führt eine Rampe hinauf. Eine fantastische Fahrradstrecke beginnt. Auf der 3 m breiten Fahrbahn aus feinstem Asphalt mit maximal 3% Steigung rollt es sich hervorragend. Bis auf eine kurze Umfahrung am Bahnhof Neukirchen bleibt der Radweg nun auf der alten Bahntrasse bis nach Treysa. Der Scheitelpunkt ist nach 34,5 Kilometern erreicht, danach geht es bergab oder auf ebener Strecke bis zum Ziel . Am Parkplatz "Haasehügel" nahe dem aktuellen Bahnhof Treysa ist das Ende des Bahnradwegs Rotkäppchenland erreicht.

   Hinweis: Auf dem kleinen Höhenprofil links oben einen Abschnitt mit der Maus markieren, dadurch wird dieser Abschnitt des Tracks auf der Karte angezeigt.

Höhenprofil:


[Rotkaeppchen.png]

Das Profil des Radwegs zwischen Bahnhof Bad Hersfeld und Bahnhof Treysa

Von der Eisenbahn zum Radweg- Geschichte der Knüllwaldbahn

Die Bahnlinie Bad Hersfeld - Treysa wurde in zwei Teilabschnitten eröffnet: Hersfeld-Oberaula 1906, Oberaula-Treysa 1907. Die Bahnstrecke hatte regionale Bedeutung für den Personen- und Güterverkehr. Genau sieben Jahre nach der Eröffnung der Strecke begann der 1. Weltkrieg. Trotz der personellen Einschränkungen erlebte die Bahnlinie einen kräftigen Aufschwung, so dass 1917 bereits der zweigleisige Ausbau als beschlossen galt. Nach Kriegsende wurde die Pläne aber nie umgesetzt, da Reparationsforderungen den Ausbau der Bahnstrecke bremsten.

Die Entwicklung bis zum 2. Weltkrieg ähnelte der Periode bis 1914. Dann kam erneut der "Kriegsbetrieb" mit Sonderzügen und Truppentransporten. Der Luftkrieg behinderte zunehmend den Bahnverkehr, gegen Ende des Krieges wurde die Bahnhöfe Treysa und Bad Hersfeld das Ziel von Fliegerangriffen. Gegen Ende des Krieges 1945 kam der Zugverkehr völlig zum Erliegen.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden die Dampflokomotiven durch Dieselfahrzeuge abgelöst. Die "Triebwagen" oder "Schienenbusse" hielten Einzug auf Strecken der Nebenbahnen, so auch bei der Knüllwaldbahn. Ansonsten beherrschten Ende der 1960er Jahre Dieselloks den Personenverkehr.

Zunehmend machte sich der Straßenverkehr als Konkurrenz zum Bahnverkehr breit. Gleichzeitig verdichteten sich die Spekulationen über die Stilllegung der Bahnstrecke. Stufenweise wurden in den 1970er Jahren Zugverbindungen gestrichen.

Dann, am 22. August 1977, brach der Staudamm des "Seeparks Kirchheim" und zerstörte den Bahndamm zwischen Kirchheim und Kleba auf 20 m Länge. Damit war die Verbindung nach Bad Hersfeld unterbrochen. Der provisorische Busverkehr zwischen Oberaula und Niederaula schloss die Transportlücke, bis die endgültige Einstellung des Personenverkehrs am 1. Juni 1984 das Schicksal dieser Bahnlinie besiegelte. Auf Teilstrecken fand im geringen Umfang noch Güterverkehr statt, ab 1984 begann schon vereinzelt der Gleisrückbau. Der Abschnitt Bad Hersfeld - Niederaula - Niederjossa - Breitenbach, auch Abschnitt der "Gründchenbahn", wird bis heute für Holztransporte genutzt.

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